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Große Erwartungen

Sa 09.04.2022 , 20:00
Wo
Stadthalle
Hohgarten 478224 Singen
Veranstalter
Kultur & Tagung Singen
Vorverkauf
Tourist Information Singen, +49 (0)7731 85-262 oder -504
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Symphoniekonzert

Solist: Torleif Thedeen, Violoncello (Bild)

Dirigent: Gabriel Venzago

Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz

JOSEPH HAYDN (1732-1809)
Sinfonie Nr. 22 Es-Dur Hob I:22 ("Der Philosoph")

DMITRI KABALEWSKI (1904-1987)
Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 2 C-Dur, op. 77

DMITRI SCHOSTAKOWITSCH (1906-1975)
Sinfonie Nr. 9 Es-Dur, op. 70

Einführung um 19:15 Uhr mit Intendantin Insa Pijanka in den Seminarräumen (OG)

Dirigent Gabriel Venzago ist seit der Saison 2019/2020 Erster Kapellmeister am Landestheater Salzburg. Er studierte an der Hochschule für Musik und Theater in München und an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. Seit 2017 wird er vom Dirigentenforum des Deutschen Musikrats in dessen Programm „Maestros von morgen“ gefördert.

Der schwedische Cellist Torleif Thedéen ist einer der renommiertesten Musiker Skandinaviens und hat 1985 drei der prestigeträchtigsten Cellowettbewerbe der Welt gewonnen. Seitdem musiziert er nicht nur mit den führenden Orchestern Skandinaviens, sondern auch mit bedeutenden Orchestern in aller Welt und den renommiertesten Dirigenten. Seit 1996 ist er Professor am Royal Conservatory of Music in Stockholm.

Joseph Haydn war originell, experimentierfreudig und aus heutiger Sicht innovativer als so mancher Weggefährte. Eine besondere Begabung lag darin, Musik zu schreiben, die witzig sein kann und deren Stimmen so lebendig miteinander agieren, dass man ohne große Anstrengung Bilder assoziiert. Das erklärt auch, warum ein paar seiner knapp 110 Sinfonien heute visuelle Beinamen tragen, wie „Der Bär", „Die Uhr" oder „Der Philosoph". Letztere erweckt tatsächlich den Eindruck, man wäre Zuhörer eines angeregten philosophischen Gesprächs: Die schnellen Bewegungen der Englisch-Hörner treffen auf die betont getragenen der Waldhörner wie der lebhaft fragende Student auf den reflexiven, betagten Philosophen mit dem weißen Rauschebart. Ob dabei Platon, Aristoteles oder Voltaire in die Rolle des Gelehrten schlüpfen und es um Staat, Natur oder Gesellschaft geht – das bleibt der eigenen Phantasie überlassen.

Dmitri Kabalewskis vorwiegend lyrische, in der Volksmusik wurzelnde Musiksprache ist deutlich von der Tradition der russischen Musik des 19. Jahrhunderts geprägt. Sein 2. Cellokonzert kennzeichnet eine mystische Grundstimmung mit volkstümlichem Gestus. Sie vermittelt sich schon in den ersten Takten, in denen das Soloinstrument ganz unprätentiös, aber auch bedrückt mit einer gezupften Melodie in das Werk einsteigt. Später versenkt sich das Cello immer wieder in ausgedehnte Kadenzen, die an nachdenklich-introvertierte Selbstgespräche erinnern.

Die neunte Sinfonie ist seit Beethoven eine musikhistorisch belastete Zahl. Die Erwartungen in Dmitri Schostakowitschs Neunte als „sowjetische Komposition“ zur Krönung des Sieges im „Großen Vaterländischen Krieg“ waren immens. Das Publikum der Uraufführung erlitt einen Schock: kein Chor, kein Solist und nur ein kleines Orchester. Stattdessen: Ein spritziges Stückchen Sinfonie. Ein Witz. Schostakowitsch klingt, als wäre er bei Haydn in die Schule gegangen, gepaart mit der ihm eigenen Spur Galgenhumor. Das Publikum war irritiert, die Kritik indigniert. So hatte man sich die Freude über den Frieden nicht vorgestellt! Die Verweigerung zum grenzenlosen Jubel war ein Wagnis des Komponisten. Die nächste Welle an Repressionen der stalinistischen Diktatur ließen nicht lange auf sich warten.

Bild: Nikolaj Lund



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